Zwei Jahre Biberteich am Saynbach - mehr als nur ein neuer Lebensraum im Westerwald

 

Im November 2017 ließen sich am Saynbach zwischen Wölferlingen und Freilingen ebenso plötzliche wie auffallende Landschaftsveränderungen feststellen. Dort wo sich bisher eine, über Jahrzehnte nicht bewirtschaftete Bachaue mit teilweise verbuschten Brachwiesen fand, zeigte sich nun eine ca. ein Hektar große Überschwemmungsfläche sowie davor ein gewaltiger Damm aus Ästen, Zweigen und schmalen Stämmen. Die Nagespuren an den Ästen sowie erste gefällte Bäume ließen nur einen Schluss zu: Nach Jahrhunderten der Ausrottung ist der Europäische Biber (Castor fiber) wieder in den Westerwald zurückgekehrt. Der Nager gestaltete ein einzigartiges Biotop, welches bisher 114 nachgewiesenen Vogelarten einen Brut- und Rastplatz bot. Anlass genug, das Gebiet (Radius von 250 Metern um den Biberteich) näher zu betrachten und dessen Attraktivität für Vogelwelt genauer zu ergründen:

 

 

Geografie

 

Das Biberrevier befindet sich auf 357 ü.d.M. am Oberlauf des Saynbachs. Der kleine Mittelgebirgsfluss fließt hier durch ein relativ breites, mäßig tief eingeschnittenes Tal. Die Quelle ist drei Kilometer in ostnordöstlicher Richtung gelegen; vierzig Flusskilometer südwestlich mündet der Saynbach in den Rhein. Das Tal zwischen Wölferlingen und Freilingen wird 1,5 Kilometer südöstlich von dem 491 Meter hohen Helteberg und 1,5 Kilometer nordöstlich von der 453 Meter hohen Wildsburg flankiert.

 

Naturräumlich betrachtet hat sich der Biber an der westlichen Grenze des Naturraums „Oberwesterwald“ im Bereich der Westerwälder Seenplatte niedergelassen. Der Oberwesterwald geht ca. drei Kilometer westlich, jenseits eines in Nord-Süd-Richtung verlaufenden teils über 100 Meter tiefen Geländeabbruchs in den Naturraum „Niederwesterwald“ über. Der Saynbach durchbricht hier das abrupte Geländerelief in südwestlicher Richtung und stellt damit eine Verbindung beider Naturräume und einen Korridor für Zugvögel in einer bedeutsamen Nordost -Südwest-Richtung dar.

 

 

Lebensraumtypen

 

Im Kerngebiet hat der Biber eine, von einer Mädesüß-Blutweiderich-Hochstaudenflur geprägte Bachaue überschwemmt und weitgehend von Büschen und Bäumen befreit. Die Hochstaudenflur ist an den Rändern des Tümpels sowie nach Osten als breiter Streifen bachbegleitender Flora vorhanden. Charakteristische Brutvogelarten sind hier bspw. die Rohrammer mit einem, der Feldschwirl mit zwei und der Sumpfrohrsänger mit mindestens vier Revieren. 

 

Der Biberteich selbst reicht in der Tiefe von über zwei Metern im Bereich des ehemaligen Bachbetts des Saynbachs bis zu wenigen Zentimetern in den Randbereichen. Der Teich ist dabei keine gleichförmig ausgestaltete Wasserfläche. Es handelt sich vielmehr um ein Gewässer, welches durch kleine Erhebungen, abgenagte Baumstümpfe und binsengeprägte Vegetationsinseln reichhaltig strukturiert erscheint. Neben einer offenen Wasserfläche bestehen Bereiche mit labyrinthartig verwobenen, grabenähnlichen Wasserflächen, Stillwasserbereichen und Areale mit leichter Fließgeschwindigkeit. Dieser Tümpel bietet ideale Bedingungen für Gründel- als auch Tauchenten, Gänse, Zwergtaucher und Rallen. Die Vögel können im Schutze der Vegetation die Brut großziehen, es bestehen zahlreiche Nahrungsgründe und Baumstümpfe sowie umliegenden Stämme bieten Gelegenheiten für Ruhe- und Komfortverhalten.  Hervorzuheben sind hier die erfolgreichen Bruten von Tafel-, Reiher und Stockente oder Kanada- und Nilgans. Die erstgenannte Tafelente ist mit durchschnittlich fünf bis zehn Brutpaaren ein besonders seltener Brutvogel in Rheinland-Pfalz. Das Blässhuhn brütet an dem kleinen Teich mit drei Paaren, der Zwergtaucher mit zwei Paaren. Darüber hinaus besteht ein starker Brutverdacht von Wasserralle und Teichhuhn.  Die zahlreichen Brutvögel, die z.T. in hoher Dichte, wie bspw. das Blässhuhn und in mehreren Jahresbruten, wie der Zwergtaucher Nachwuchs aufziehen, lassen darauf schließen, dass der Biberteich nicht nur über ein offensichtlich vielfältiges pflanzliches, sondern auch über ein reichhaltiges tierisches Nahrungsangebot verfügen muss. Ornithologisch besonders erwähnenswert ist das Vorkommen des Tüpfelsumpfhuhns. 2018 konnten von Mitte Mai bis Anfang Juni mindestens drei rufende und damit mutmaßlich ihr Revier markierende Tüpfelsumpfhühner festgestellt werden. Auch im Ende April 2019 war die Rallenart über knapp zwei Wochen zu hören. Nach einem erheblichen Kälteeinbruch Anfang Mai zog der Vogel vermutlich ab.

 

Außerhalb der Brutzeit bilden die beschriebenen Teichstrukturen ideale Rastbedingungen für zahlreiche Limikolen. Mit Bekassine, Kiebitz, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Dunklem Wasserläufer, Bruch- und Waldwasserläufer rasteten in den letzten zwei Jahren bemerkenswerte sieben Arten aus der Ordnung der Regenpfeiferartigen am Biberweiher. Die Watvögel profitieren vermutlich nicht nur von den, für die Rast so attraktiven Flachwasserstrukturen, sondern von zwei weiteren Faktoren: Erstens bietet der Biberweiher nicht nur statische Flachwasserzonen, sondern sich je nach Wasserangebot sehr dynamisch verändernde Teichränder, welche stets ein gutes Nahrungsangebot vorhalten.  Bei Regen und einem demnach stark wasserführenden Saynbach dehnen sich die Grenzen des Tümpels aus. Bei Hitze oder Trockenheit geht das Wasser zurück und es verbleiben Schlammflächen. Zweitens ist davon auszugehen, dass ziehende Limikolen von den großen Gewässern der Westerwälder Seenplatte angelockt werden.  Diese bieten aber im Frühjahr und Spätsommer aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch hohen Wasserstände in der Regel keine geeigneten Rastgebiete. Es lassen sich zu diesen Jahreszeiten an den Teichen der Westerwälder Seenplatte immer wieder nach Rastmöglichkeiten suchende Limikolen beobachten welche, aufgrund der fehlenden Flachwasser, bzw. Schlammflächen weiterziehen. Dieser Effekt ist auch bei Gründelenten zu vermuten. Wenn an der Westerwälder Seenplatte Niedrigwasserstände mit Flachwasser und Schlammzonen vorhanden sind, finden sich kaum Krickenten am Biberweiher. Bei dortigen Hochwasserständen können wieder Krickenten am Biberweiher beobachtet werden.

 

Der wortwörtlich fließende Übergang von Stillwasserzonen zu Fließwasserbereichen sorgt insbesondere im Zulauf des Teichs für Fließbewegungen im Wasser. Hier scheint es durch den Eintrag von Biomasse einen besonders gutes, bzw. besonders gut erreichbares Nahrungsangebot zu geben, was an den bevorzugt dort nahrungssuchenden Gründelenten erkennbar ist. Die Verbindung zwischen dem Nahrungsangebot und der Fließgeschwindigkeit ist insbesondere im Winter bedeutsam. Das Wasser bleibt bei strengerem Frost lange eisfrei, so dass Eisvögel, Grau- und Silberreiher oder Bergpieper auch im Winter dort überleben können.

 

Am Damm des Biberteichs baute die Gemeinde Freilingen einen Überlauf und ließ Rohre in den Biberdamm, um die teilweise Überschwemmung eines Wirtschaftswegs zu vermeiden. Das auf diesen Wegen austretende Wasser sammelt sich hinter dem Damm im Bachbett und der Saynbach wird hier wieder zum Oberlauf eines Mittelgebirgsflusses. An dieser Stelle gibt es gute Nahrungshabitate für Gebirgsstelze und Wasseramsel. Im Gegensatz zu dem offenen Charakter des Biberweihers, an dem nur noch einzelne Weidenbüsche blieben, beginnt unterhalb des Damms eine dichte, von Weiden und einzelnen Bäumen geprägte Bachvegetation. Hier singen Zilpzalp, Gartengrasmücke, Sumpfrohrsänger und auch die Weidenmeise.

 

Nördlich des kleinen Weidenbruchs am Saynbach findet sich eine brachliegende Pferdekoppel. Diese wird von zahlreichen Korb- und Doldenblütlern geprägt und reicht bis an die ersten Häuser der Ortsgemeinde Freilingen. Die brachliegende Koppel ist mit dem hohen Angebot an Samen und Insekten sehr attraktiv für Finkenvögel, wie den Stieglitz und der Grünfink. Der Ortsrand mit Häusern, Gärten, einzelnen Bäumen und einem Gartengrundstück sind Habitat für Grünspecht, Türkentaube, Haus- und Feldsperling. Gerade in den letzten beiden heißen Sommern war festzustellen, dass diese Arten immer wieder gezielt den Biberteich aufsuchen, um zu trinken, zu baden oder Nahrung zu suchen. Die unmittelbare Nähe zu den Ortsgemeinden Freilingen und Wölferlingen bedingt auch, dass bei Kälteeinbrüchen und Regenwetter hunderte Rauch- und Mehlschwalben sowie Mauersegler das Insektenangebot des Biberweihers nutzen.  Der Biberweiher sichert damit das Überleben und die Fortpflanzung dieser Arten  bei Extremwetterlagen, die nach Erkenntnissen der Klimaforschung künftig häufiger zu erwarten sind.  

 

Im Norden des Biberteichs wird das Gewässer von dem beschriebenen schmalen Hochstaudengürtel begrenzt, den wiederum ein Band verschiedener Sträucher, wie Schwarzdorn und Weiden abgelöst. Dahinter markieren mächtige Randfichten den Beginn des Waldes. Der Wald besteht neben den wenigen markanten alten Fichten im wesentlichen aus einem ca. 30 Jahre jungen Fichten- und Birkenwald. Hier singen typische Wald- und Waldrandvögel wie bspw. Zaunkönig Wintergoldhähnchen, Sommergoldhähnchen, Mönchsgrasmücke, Amsel, Misteldrossel, Singdrossel, Buchfink, Blaumeise oder Buntspecht. Aus den sich dahinter anschließenden, zur Westerwälder Seenplatte reichenden Waldgebieten finden immer wieder auch Vögel größerer Wälder, wie der Schwarz- oder der Grauspecht den Weg an den Biberteich. Die unmittelbare Anbindung an die großflächigeren Waldgebiete der Westerwälder Seenplatte und der Saynbachhänge scheint auch für einen besonderen Waldbewohner eine hohe Anziehungskraft zu haben. Der heimliche Schwarzstorch gleitet gerne entlang des Schutzes der Waldränder, um am Biberteich Nahrung zu suchen.

 

Der Fichten-Birkenwald endet im Nordosten am Lamersbach, der den Saynbach von Norden speist. Zwischen dem Wald und den angrenzenden Pferdekoppeln ist ein kleiner, vom Lamersbach überschwemmter Erlenbruch erhalten. Hier singen Sumpfmeise, Schwanzmeise und im Winter suchen Erlenzeisige Nahrung. Weiter in östlicher Richtung befindet sich ein künstlich angelegter Fischteich mit umliegenden Rasenflächen, der von Nil- und Kanadagänsen geschätzt wird und der eine Bedeutung für die Ernährung des Eisvogels hat. Im Osten, kurz vor dem Ortsrand Wölferlingens, wird das Gebiet von kurzrasigen, feuchten Wiesen begrenzt, die bis an den Saynbach reichen. Die Wiesen werden als Heuwiesen und Pferdekoppel genutzt. Die kurzrasige Koppel ist gerade bei nahrungssuchenden Bach- und Schafstelzen beliebt. Südlich des Saynbach finden sich schließlich, mittlerweile intensiv genutzte Heuwiesen, die jenseits der Landesstraße 304 in die stark eutrophierten Fettwiesen des Berghofs bei Düringen übergehen. Diese Fettwiesen scheinen neben dem uniformen Gras, über ein reichhaltiges Angebot an Mäusen und Regenwürmern zu verfügen, welche zum Nahrungsspektrum von Vögeln, wie bspw. dem Weißstorch, Silberreiher, Graureiher, Mäusebussard, Turmfalke oder dem Rotmilan gehören. Der Berghof zieht als konventioneller gift- und güllebasierter Massentierhaltungsbetrieb mit ca. hundert Kühen auch zahllose Rabenvögel, wie Dohlen, Rabenkrähen, Elstern und Kolkraben an, die ebenfalls nahrungssuchend in den Fettwiesen anzutreffen sind.

 

 

Probleme

 

Die Beschreibung der südlichen Habitattypen am Biberteich deutet bereits einige ökologische Probleme des Gebietes an. Auf den intensiv genutzten Fettwiesen wird mit dem Gülleeintrag nicht nur die Vegetations- und Insektenvielfalt zerstört, sondern es werden hier auch weitere, insbesondere für Bodenbrüter schwierige Bedingungen kreiert.  So gibt es bei den vielfachen Mähterminen im Jahr kaum eine Chance erfolgreich die Jungen aufzuziehen. Sollte eine Brut in einem, der kaum vorhandenen, nicht mähbaren Randbereiche dem Kreiselmäher entgehen, so sind realisitsche Überlebenschancen der Gelege aufgrund der hohen Prädatorendichte kaum zu erwarten.  Der Massentierhaltungsbetrieb am Berghof zieht hunderte Dohlen und Rabenkrähen an, die auch im Umfeld des Hofes Nahrung suchen.  Es sei deutlich herausgestellt: Die Rabenvögel sind nicht die Ursache des Problems, sondern lediglich ein Symptom einer nicht naturverträglichen Landwirtschaft. Ein trauriges Beispiel für die Probleme mit Gülle, Gift, ständiger Mahd und hohem Prädatorendruck ist die Feldlerche. Der Vogel des Jahres 2019 hatte sich in diesem Jahr die Wiesen südlich des Biberweihers als Revier ausgesucht. Ein Hinweis auf eine erfolgreiche Brut konnte aber nicht erfolgen. Vögel wie die Feldlerche leiden als Insektenfresser aber auch an der weitreichenden Vergiftung der Natur durch die konventionelle Landwirtschaft. So wurden im Anfang 2019, 500 Meter südöstlich des Biberweihers eine mehrere Hektar große Wiese mit Glyphosat abgetötet, umgeackert und mit vermutlich ertragreicheren  Gräsern als Kuhnahrung bepflanzt. 

Die zahlreichen Mähtermine stellen auch an den, unmittelbar an den Saynbach grenzenden Wiesen ein Problem dar. Diese Wiesen wurden 2018 / 2019 gemeinsam mit den östlichen Pferdekoppeln entwässert, indem mit einem Bagger neue Gräben in die Talaue getrieben wurden. Außerdem zerstörte der ansässige Landwirt im Bereich der Saynbachaue unmittelbar westlich von Wölferlingen einen weiteren Damm des Bibers, indem er diesen ausbaggerte. Die Naturschutzbehörde und die untere Wasserbehörde werteten diesen schweren Verstoß gegen das Artenschutzgesetz lediglich als notwendige Instandsetzungsmaßnahme.  Darüber hinaus wurde zur intensiven Nutzung mit Großmaschinen ein südlich zum Saynbach fließender kleiner Bach zum Teil verrohrt und Feldgehölze wurden drastisch abgesägt und zurückgeschnitten. 2019 erfolgte hier die Mahd bereits mit schweren Treckern bis wenige Zentimeter an den Bach. Es ist davon auszugehen, dass dieser Praxis auch Stockentengelege zum Opfer fallen.

Neben der industrialisierten Landwirtschaft war und ist der Biber und sein Revier von der fehlenden Akzeptanz einiger Menschen bedroht.  Das Auftreten des Bibers und die plötzliche Landschaftsveränderung hat bei einigen Menschen diffuse Ängste ausgelöst. Manche fürchteten Ungezieferplagen, andere sorgten sich wegen quakender Frösche um ihren Schlaf und wieder andere befürchteten, dass ein Dammbruch ihre Häuser wegspült. Darüber hinaus fühlten sich einige Bürger der Gemeinden dadurch gestört, dass der zum Teil überschwemmte Wirtschaftsweg trockenen Fußes nur noch über einen Umweg über eine Wiese nutzbar war. Die lautstarken Rufe, die wahlweise die Entfernung, die Vergrämung oder den Abschluss des Bibers forderten, führten dann im Sommer 2018 zu einer ersten Absenkung des Wasserspiegels durch Rohre, die in den Biberdamm eingelassen wurden.  Diese Maßnahme wurde mit Genehmigung der Naturschutzbehörden durchgeführt, obwohl keine wissenschaftlich begründbare Bedrohung den Tabubruch eines Eingriffs in den Wasserhaushalt während der Brutzeit legitimiert hätte. Weitere irrationale Maßnahmen der Pegelregulierung und damit zur Zerstörung des Gebietes konnten nur durch massiven Protest und Informationskampagnen des Naturschutzes verhindert werden. Zu dieser ersten Absenkung des Wasserspiegels wurden im Laufe des Jahres 2018 noch zwei weiterer wasserstandsregulierende Maßnahmen vorgenommen. Zum einen wurde entlang des Weges am Rand des Biberteichs ein kleiner Damm errichtet und zum anderen wurde ein Überlauf in den Weg eingelassen.  Mittlerweile wird der Feldweg nur noch selten, in geringem Umfang und in kurzer Dauer nach Starkregenereignissen überspült. Dennoch ist ein weiterer teurer und gefährlicher Eingriff in den Wasserhaushalt geplant, indem ein Abflussrohr unter dem Feldweg eingebaut werden soll.

 

 

Zusammenfassung:

 

2017 wanderte der Biber wieder in den Westerwald ein und schuf einen neuen Lebensraum. Es ist bekannt, dass das Wirken des Bibers mit zahlreichen positiven ökologischen Aspekten, wie bspw. der Verbesserung von Hochwasserschutz und der Grundwasserbildung, der Verbesserung des Kleinklimas und auch der Erhöhung der Artenvielfalt einhergeht.   Dennoch überraschte es, dass sich am Biberteich am Saynbach in den letzten beiden Jahren 114 Vogelarten feststellen ließen. Diese Vielfalt der Vogelarten steht möglicherweise im Zusammenhang mit der besonderen Lage des Biberteichs an der Grenze zweier Naturräume, an einem durch den Saynbach vollzogenen,  für den Vogelzug günstigen SW-Einschnitt in das Geländerelief und  der unmittelbaren Nähe zur Westerwälder Seenplatte.  Die Vogelvielfalt scheint aber mehr, als nur der geografischen Lage oder der einfachen Tatsache der Wiedervernässung der Landschaft geschuldet zu sein. Es deutet sich an, dass der Biberteich bei näherer Betrachtung aufgrund seines Strukturreichtums mehr als nur ein Lebensraum ist. Am Biberteich finden sich auf engstem Raum unterschiedlichste Strukturen, die jeweils einen eigenen Lebensraum für sich bilden und eine hohe Artenvielfalt begründen. Es scheint aber auch so, dass das Schaffen des Bibers nicht nur für gesteigerte Biodiversität  im unmittelbaren Bereich sorgt, sondern, dass der Nager mit seinem Tun auch umliegende Biotope aufwertet und die dortigen Vogelbestände stabilisiert.

Die Betrachtung der Auswirkungen des Biberhandelns auf die Vogelwelt ist aber nur eine erste Annäherung an den ökologischen Gewinn, der durch die Anwesenheit des Nagers entsteht. Erste Betrachtungen der Fledermausvorkommen, der Libellenfauna und der Vegetation lassen Aufhorchen und verdienen nähere Untersuchung.

 

 

Abschließende Anmerkung

 

 

 

Das Engreifen des Bibers in die Landschaft des oberen Saynbachtals im Westerwald  zeigt uns Wege auf, wie wir dem Verlust von Artenvielfalt und dem Klimawandel, also den beiden drängendsten existenziellen Fragen der Menschheit begegnen werden kann.  Es wird deutlich, dass  die wirklich tragfähigen Antworten auf diese Fragen nicht im Widerspruch zueinanderstehen können und dass die  Wege der Überlebenssicherung häufig mit zahlreichen kleinen Mitteln erreichbar sind: Die  Wiedervernässung, der Landschaft, die Förderung kleinräumiger Strukturen des eines ökologischen Landbaus, den Stopp der Massentierhaltung und dazu noch ein wenig Toleranz gegenüber dem  Fremd(geworden)en, klare Rationalität gegenüber diffusen Ängsten, ein wenig von den eigenen Bedürfnissen zurücktreten und wieder lernen, über kleine Wunder zu staunen! So könnte doch was gehen…